Das grüne Band

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    • Das grüne Band

      Moin

      Das Grüne Band Deutschland - Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)

      Unterwegs an der ehemaligen Deutsch-Deutschen Grenze.

      Oder Geschichte auf B Man Art.
      Ein trauriges Kapitel der deutschen Geschichte, wo in der Schule heutzutage leider kaum etwas von berichtet wird, wie ich in einigen Gesprächen herausgehört habe.
      Vielleicht liest es ja hier der ein oder andere und es geht einem nicht so auf den Keks wie in der Schule ;)

      Ich habe das ehemalige Sperrgebiet von der A38 bis herunter zur A4 mit dem Auto und zu Fuss erkundet. In diesem Sperrstreifen der etwa bis 5km ins Landesinnere reichte, lagen die Kasernen der Grenztruppen. DDR Bürger konnten nur mit einem Zusatz im Pass in dieses Gebiet vor der eigentlichen Grenze.

      Typisches Unterkunftsgebäude der NVA GT ( Nationale Volksarmee Grenztruppen )



      Diese Kasernen gab es alle 10 bis 20 km am Grenzverlauf je nach Geländeverlauf.
      Wenn man mal da in der Gegend ist:
      In der nähe der A4 : Point Alpha Stiftung | Point Alpha Akademie | Gedenkstätte Point Alpha

      Bei Bad Sooden-Allendorf: Grenzmuseum Schifflersgrund

      Sehenswerte Orte zum Nachdenken in herrlicher Landschaft.
      Point Alpha
      Ein wirklich bizarrer Ort den heutige Generationen kaum noch verstehen werden.
      Eine handvoll amerikanischer Soldaten schliefen in ihrer Baracke wenige Meter von der am besten gesicherten Grenze der Welt.
      Der Beobachtungsturm der Amerikaner



      Der Blick vom Turm nach Thüringen.



      Beobachtungsturm der Grenztruppen direkt gegenüber.
      Das Staatsgebiet der DDR beginnt direkt ab dem Zaun im Vordergrund und nicht wie viele denken ab dem Metallgitterzaun.
      Die DDR Grenzer sind direkt daran vorbei patroulliert.



      Von Thüringen nach Hessen gesehen, rechts im Bild sieht man den amerikanischen Turm.



      Kleiner DDR Beobachtungsposten.



      Die Grenze von der DDR aus.
      Zu sehen sind der KFZ Sperrgraben und der Metallgitterzaun.



      Was alle diese Museen nicht wiedergeben können, ist der beklemmende Anblick den der richtige Grenzstreifen damals wirklich hatte.
      Gruss Andreas


      kleine Bilder sind doof :dagegen1:
    • Diesmal war ich weiter nördlich an der GÜST Worbis / Duderstadt
      Also Grenz Übergangs Stelle.

      das jetzige grenzlandmuseum.de | Deutsch > Startseite

      Aus der ehemaligen Kontrollstelle ist das Museum entstanden.



      Aussen gibt es einen 6 km langen Rundgang entlang der Sperranlagen die mit Schautafeln an 24 Stationen gut erklärt werden.
      Eigentlich wollte ich nur mal kurz gucken, ich habe dann aber die komplette Runde gemacht.

      Schnellfahrzeugsperre gegen Durchbruchsversuche mit Fahrzeugen.



      Das ist nochmal so ein kleiner Beobachtungsbunker.
      Normalerweise ist der eingegraben und der Zugang ist durch einen Graben verdeckt, damit Flüchtlinge nicht sehen konnten, ob der Posten besetzt oder leer ist.











      Der Bunte Pfahl ist hier 50 mtr vom Metallgitterzaun weg.
      Die wirkliche Grenze hat der BGS mit dem weissen kleinen Pflog markiert.



      Im Mühlenturm.
      Von hier aus wurde die gesamte Grenzabfertigung überwacht und die Beleuchtung und Signalanlagen gesteuert.





      Noch weiter nördlich am Antiimperealistischen Schutzwall zwischen Niedersachsen und Sachsen Anhalt.
      Da gab es einen kleinen Sowjetischen Beobachtungsposten in einem Wäldchen etwa 50 mtr oberhalb vom Kolonnenweg der NVA Grenztruppen.

      Wird fortgesetzt....
      Gruss Andreas


      kleine Bilder sind doof :dagegen1:
    • Zwischendurch mal ein ganz anderes Fundstück :thumbsup1:

      Das Bild ist auf der Innenhülle einer Schallplatte zu finden.

      Für die jungen Leute :D
      Schallplatte – Wikipedia

      Die Band Motörhead auf der Transitstrecke nach Berlin vor einem typischen DDR Propagandaplakat.

      2 Dinge die so gar nicht zueinander passten.

      Achso, vielleicht muß man das mit der Transitstrecke doch etwas erklären: Das Reisen von und nach Berlin war für Bundesbürger, in Berlin stationierten Soldaten der Westalliierten und anderen Westlichen Ausländern nur auf festgelegten Strassen und auch Flugkorridoren gestattet.

      Bei der Nutzung war jedes Verlassen der Transitstraßen, beispielsweise für Ausflüge, strikt untersagt. Transitreisende hatten die Strecke möglichst ohne Unterbrechungen zurückzulegen, lediglich kurze Aufenthalte an den Autobahnrastplätzen, in den Raststätten oder Tankstellen waren erlaubt. Treffen mit DDR-Bürgern waren untersagt.

      Zur Überwachung und Fotodokumentation waren auf allen Transitautobahnen ständig zivile Fahrzeuge mit Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) unterwegs. Dabei kamen vereinzelt „Westfahrzeuge“ mit bundesdeutschen Kraftfahrzeugkennzeichen zum Einsatz. Diese konnten unter Umständen an fehlenden/abgelaufenen HU/ASU-Plaketten erkannt werden. Überwacht wurde die Strecke aber auch durch zahlreiche inoffizielle Mitarbeiter des MfS (beispielsweise Tankstellen-Mitarbeiter) und durch den DDR-Zoll und die Volkspolizei sowie deren freiwillige Helfer.

      Transitverkehr durch die DDR – Wikipedia
      Gruss Andreas


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    • Der Kalte Krieg war die Zeit des Wettrüstens und so habe ich auch aufgerüstet und mir ein Mountainbike zugelegt :thumbsup1:

      Mit dem Fahrrad war ich dann auf dem Kolonnenweg unterwegs was aber teilweise eher einer Expedition wie einer gemütlichen Fahrradtour entsprach.
      Einige Teilpassagen sind so steil das sie weder für die Land noch Forstwirtschaft zu gebrauchen sind. An vielen Stellen fehlen schon die Betonkekse so das aufwendig andere Wege gesucht werden müssen.
      Am Wegenetz ist immer noch die Teilung der beiden deutschen Staaten sichtbar, es gibt dort nur sehr wenig Forstwege auf denen man einfach mal wo anders entlang fahren kann. Viele Wege die egal ob von Ost oder West auf die jetzige Landesgrenze zugehen enden als Sackgasse in Wald und Flur.



      Irgendwelche baulichen Überreste waren in diesem Teilabschnitt keine mehr zu finden. Die Platten aus dem KFZ Sperrgraben waren auch entfernt. Der oft noch sichtbare Graben könnte von einem unbedarften Wanderer für einen Entwässerungsgraben gehalten werden.







      In diesem Taleinschnitt musste man den Weg schon fast suchen.



      Reste der Kanonenbahn Metz Berlin.
      Links neben dem Tunnel waren nicht nur die Gleise weg, sondern gleich der ganze Bahndamm, weil da ging der Metallgitterzaun lang.



      Hier bei Großtöpfer kann man etwas die Höhenunterschiede erahnen.
      Auf 1,5km Strecke sind 146 mtr Höhe zu erklimmen.





      Geradelt bin ich 16km von der ehemaligen Güst Wanfried bis nach Kella.
      Nicht wirklich weit, aber durch die bergige Landschaft kommt man nicht wirklich voran.
      Von da nach Norden der Abschnitt ist noch Steiler.

      Ich bin dann im ehemaligen Sperrstreifen entlang der Grenzkompanien wieder zurück zum Auto geradelt.



      Das nächste mal werde ich es weiter südlich versuchen :)
      Gruss Andreas


      kleine Bilder sind doof :dagegen1:
    • B.Man schrieb:

      Von da nach Norden der Abschnitt ist noch Steiler.
      Und auch den hab ich mir angetan.

      Für den Teil muss man ehrlich gesagt schon ne Schraube locker haben.
      Angefangen habe ich diesmal im Norden beim Grenzmuseum Schifflersgrund in Richtung Kella wo ich das letzte mal aufgehört habe.

      Vom Museum geht es innerhalb weniger Meter von 250 Meter hoch bis auf über 500 Meter.
      Den Plattenweg kommt man zu Fuss eigentlich nur noch hoch weil die Platten quer liegen und man in die Löcher rein treten kann. Ansonsten müste man wohl auf allen vieren krabbeln :huh:
      Auf diesen Wegen waren dann auch nicht die sonst üblichen Trabbi Kübelwagen unterwegs, das ging nur noch mit Allradautos vom grossen sozialistischen Bruder wie Gaz 69 und Uaz.

      Das einzige was an Bauwerken noch zu sehen war.
      Ein Telefonverteiler bei Sickenberg.









      Wir unterbrechen nun kurz das Programm für eine kleine Werbeeinblendung :D
      Diese Reportage wurde freundlich unterstützt von:



      Die Stasiröhre.
      Ich halte das eher für Folklore. Warum sollte ein Agent durch eine 40mtr lange Betonröhre krabbeln um Kilometer weit durch den Wald in schwierigsten Gelände bis zur nächsten Strasse zu laufen ?



      Reste des Grenzzaunes mit einer Gedenkstätte.



      Alte und Uralte Grenzsteine bei Kella.
      KP steht für Königreich Preussen.





      An diesem Kamm verlief die Grenze. links ist Hessen, rechts ist Thüringen.



      Die Grenzkompanie Pfaffschwende

      Gruss Andreas


      kleine Bilder sind doof :dagegen1:
    • WAHNSINN!!
      Vielen dank für diese tolle Dokumentation und vor allem für den körperlichen Einsatz :D

      Ja auch dieses Kapitel der deutschen Geschichte verschwindet leider immer mehr :(
      Toll das du uns wenigstens ein wenig die Erinnerung zurück bringst!
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      "Zwar leben alle Menschen unter dem gleichen Himmel, jedoch haben nicht alle den gleichen Horizont!"
      (nach Konrad Adenauer)

      Für unsere Neuen und Alten ;)
      Hier gibt es die Forenregeln und hier die Hinweise zu den Ortsangaben .
    • Karl von Oertel schrieb:

      hier das Korpus Delikti
      Hallo Karl

      Das ist aber wirklich ein sehr bescheidenes Mitbringsel ;)

      Am Verlauf der Grenze sieht man immer noch Reste der hässlichen Gittermatten wo die Leute damals ihre Gärten mit eingezäunt haben.
      Nicht wirklich schick wenn man daneben ein hübsches Häuschen mit neuem schicken Zaun drumherum hat.
      Gruss Andreas


      kleine Bilder sind doof :dagegen1:
    • Sehr geiler Beitrag :thumbsup1: danke für deine Mühen und das Du uns daran teilhaben lässt. Wahnsinn, wenn man sich überlegt, dass das gerade mal "erst" 25 Jahre her ist .....
      Immer ein Licht zur Hand, wenn die Finsternis am größten ist ........

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      Für neue Mitglieder, bitte lesen und nicht nur "überfliegen" :) Forenregeln allgemein mit bestem Dank, das Forenteam ;)
    • Diskussion zum Thema Das grüne Band

      Herzlichen Dank für diese phantastisch dokumentierten Einblicke entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze.
      Man hat doch gelegentlich den Eindruck, die DDR hätte nie existiert, auch wenn man mit ehemaligen Bürgern der DDR redet, werden die meisten sehr ungerne darüber berichten. Ausnahmen bestätigen die Regel. ;)

      Vielleicht liegts daran, dass die neu gewonnene Freiheit bei vielen mit Perspektivlosigkeit erkauft wurde.

      Wie auch immer, die DDR war einmal und ist definitiv ein Teil der Geschichte Deutschlands, genau wie Bismarck, Kaiser Wilhelm und der erste Weltkrieg, die NS-Zeit und der zweite Weltkrieg oder das Wirtschaftswunder nach dem Krieg.

      Grüße Heiko
      Kucken mitte Finger is nich !!!
    • Ein Thema ganz "made by B.Man" - und ein kleines Wunderwerk.
      Ja, auch diese unselige Zeit, in der man ein ganzes Volk einsperren musste, hat endlich ein Ende.
      Neben all dem damit verbundenem Leid darf man auch die vielen Todesfälle nicht vergessen. Menschen, deren einziges Verbrechen es war, diesen Kessel zu verlassen zu wollen. Viele kamen bei dem Versuch, diese Sperranlage zu überwinden ums Leben, aber ganz sicher viele mehr in den vielzähligen "Haftanstalten" weit weg vom Grenzzaun.
      Grossartiges Thema, besser kann´s nicht sein.

      Vielen Dank für Dein Engagement und diese Dokumentation.
      Geradlinig ist, wer seine Gedanken äussert und diese auch umsetzt.
    • Moin
      Ich war wieder unterwegs anne Grenze.
      Genialer Plan, fährste rauf in den Norden, da ist es nicht so Bergig wie in Thüringen, da kann man schön Radeln.
      Soweit die Theorie.

      Nördlich der A2 gibt es Steigungen die sind nicht viel weniger Steil wie die in Thüringen. Der Kolonnenweg ist genauso schwer passierbar wie im Süden und durch den Bergbau hier in der Gegend ist es teilweise extrem schwierig dem Weg zu folgen.

      Der Nördliche Abschnitt von Döhren bis an die A2 wo noch fast durchgängig die Betonplatten liegen. Nördlich von Döhren wurde der Kolonnenweg grösstenteils entfernt.

      Der erste Abschnitt:
      goo.gl/maps/JVzTE

      Spionmobil mit Beiboot



      Das ist ein Fatbike.
      Sieht komisch aus. Funktioniert aber hervorragend durch die dicken Reifen mit wenig Luftdruck auf den holperigen Plattenwegen und auch auf weichen Sandböden wie dort in der Region häufig zu finden
      Der Ausgangspunkt bei Walbeck, ein BT 9 Puzzle.
      Aufgrund der grossen Hitze hatte ich Probleme genug zu Trinken mit zu nehmen und habe das Auto als Depot in der Mitte geparkt.



      Also musste ich von da aus über das Hinterland über Wiesen und Felder in Richtung Norden nach Döhren.



      Da auf dem Kolonnenweg war nach 1km schon gleich Schluss.
      Kein Weg Drumherum, weil es gibt da sonst keine Wege.
      Also durch den KFZ Sperrgraben rüber in den Westen gemacht.



      Nach dem Hinderniss wieder zurück und weiter auf dem Kolonnenweg.



      Im Wald wurde es dann kühler, aber viel zugewachsen und sehr bergig.



      Führungsstelle bei Weferlingen.





      Eine der Grenzkompanien im Hinterland.



      Führungsstelle an der B1



      Telefonverteiler an der B1.
      Das einzige Bauwerk was man in dem ganzen Abschnitt noch gefunden hat.



      Überhaupt gab es ausser an den Strassenübergängen keinerlei Hinweise wo man sich dort befindet und was das mal war.
      Steilstück bei Beendorf, locker > 30 % Steigung.



      wird fortgesetzt....
      Gruss Andreas


      kleine Bilder sind doof :dagegen1:
    • Der mittlere Teil.

      Den hatte ich auf den Tag gelegt weil es nicht ganz so warm war und es dort kaum Schatten gibt.
      Das war der härteste Teil. Für 22 km Kolonnenweg musste ich 64 km Radeln.

      Der Streckenzustand war teilweisse völlig zugewachsen und die Grenze verlief hier mitten durch einen grossen Kohletagebau der sich jetzt in der Renaturierung befindet.
      Keine aktuellen Karten, keine aktuellen Satellitenbilder, a real fucking Desaster.

      Die Route stimmt nur ganz grob. goo.gl/maps/pbWVb

      Der Startpunkt war in Offleben und da fing alles ganz harmlos an.



      Reste der kleinen Beobachtungsposten hat man einfach in einen alten Steinbruch gekippt.



      Wäldchen mit einem GSSD Beobachtungsposten.



      Das der da war wusste ich, nur wo ?
      Wie man an der Zufahrt sieht ist da schon lange keiner mehr gewesen und da rein mit kurzer Hose ?



      Das einzige was ich zunächst gefunden habe.



      Am Waldrand hinter einem Gebüsch fand ich dann den Unterstand.



      Dieser war mit Laufgräben mit diesem Häuschen verbunden. Wieder mal rätselhaft was man da beobachten wollte.
      Der gegenüberliegende Funkaufklärungsposten der US Armee war 8 km entfernt in einem Wald.



      Der Weg



      Grenzmuseum Hötensleben. Der Ort lag einen Steinwurf von der Grenze und war entsprechend gesichert.
      Hier ein Führungsturm und eine Doppelzaunanlage ausgestattet mit Hundelaufanlage.







      Der Weg



      Tagebau zwischen Helmstedt und Harbke.





      Der Kolonnenweg ging durch den Tagebau und es gab transportierbare Zäune und Beobachtungstürme.
      Ab Anfang der 70er Jahre wurde dort nach einer Vereinbarung der Bundesrepublik mit der DDR wieder auf beiden Seiten der Grenze Kohle abgebaut.



      Und ich stand dann vor diesem Loch.
      Rechts in etwa der Mitte der Bäume ging der Weg weiter was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste.
      Ich musste wieder runter in den Tagebau und dort auf der anderen Seite eine Rampe suchen wo ich wieder herauskomme.
      Das waren einige km Wegstrecke zusätzlich.



      Wie geht's wohl weiter :D
      Gruss Andreas


      kleine Bilder sind doof :dagegen1:
    • Wie man an den Überschriften sehen kann, war auch noch ein südlicher Teil in Planung.

      Wegen der Hitze und weil der südliche Teil komplett ohne Schatten war, habe ich beschlossen, den vielleicht ein anderes Mal nachzuholen.
      Vielleicht will ja jemand mit :D

      Also nur noch die GÜST Marienborn (Grenz-Übergangsstelle)

      Dort arbeiteten bis zu 1000 Menschen und der Stromverbrauch für die Beleuchtung war genauso hoch wie in einer DDR Kleinstadt mit 20 000 Einwohnern.
      Die Grenzer waren geschult darin, den Reisenden egal ob aus Ost oder West den Aufenthalt dort so unangenehm wie möglich zu machen.
      Das westliche Militärpersonal von oder nach Berlin wurde von Sowjetischen Soldaten an einem separatem Posten auf Autobahnmitte abgefertigt. Auch da herrschte wohl gerade anfangs sehr viel Willkür.

      Der Aufwand illegale Grenzübertritte zu verhindern war immens.
      Beobachtungsturm an der eigentlichen Grenze



      Blick vom Turm nach Westen. Der Grenzverlauf war entlang der B1, also unter der Autobahn etwa da wo der LKW im Vordergrund fährt.



      Blick vom Turm nach Osten. Da sieht man wie weit im DDR Gebiet die Abfertigungsstelle liegt.



      Von der Kaserne habe ich nicht viele Bilder weil die von einer Firma und von einem Asylbewerberheim genutzt wird.







      Alarmausfahrt aus der Kaserne direkt auf die Autobahn.



      Etwas weiter südlich der Übergang der Bahn. Die Grenze war am Feldende. Dort befinden sich keinerlei Spuren mehr.



      Einfahrt von Westen in die GÜST.
      Die Autobahn war von dem 1. Wachturm bis zur Güst mit dieser Betonmauer eingefasst.





      Die Kontrollstelle



      ey, du kummst hier nit rein



      Überall Spiegel und Lampen damit man jederzeit alles im Blick hatte.



      Der Versorgungsbereich mit Trafohaus, Generatoren, Fuhrpark und Kantine.



      Die Verwaltung, heute ein Museum.

      Gruss Andreas


      kleine Bilder sind doof :dagegen1:
    • Unglaublich ist das, was Du hier leistest. Solche Strapazen auf sich zu nehmen ist die eine Sache, dabei auch noch Fotos anzufertigen und diese einem breiten Umfeld zugänglich zu machen,ist die andere...
      Nicht nur, dass Du erstklassige Themen beisteuerst, sondern dabei jeweils auch noch geschichtliche Rückblicke gewährst - das lassen Deine Themen einzigartig sein. Selbst das Lesen für all jene, die sich ansonsten für derartige Berichte nicht sonderlich interessieren, bereitet in diesen Fällen Vergnügen.
      Ganz unabhängig von Deinem körperlichen Einsatz hast Du zudem eine intensive Recherche betrieben und die geschichtlichen Hintergründe anschaulich dargestellt. Das ist eine grossartige Leistung die Respekt und Anerkennung verdient.
      Ein einfaches "Danke" ist hierfür sicherlich nicht ausreichend...
      Geradlinig ist, wer seine Gedanken äussert und diese auch umsetzt.
    • eine absolut geniale Ergänzug dieses Beitrages, so viele Daumen kann man garnicht zeigen ..... erstklassige Leistung die Du da präsentierst und eine äusserst historische Dokumentation deutsch/deutscher Geschichte! Irgendwann werden die Zeichen dieser innerdeutschen Grenze mehr und mehr verschwinden und von der Natur zurückgeholt, durch Deine Bilder und diesen Bericht schaffst Du ein bleibendes geschichtliches Relikt!
      Meine Hochachtung!
      Immer ein Licht zur Hand, wenn die Finsternis am größten ist ........

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    • Huch, rotwerd :)

      Yamuk schrieb:

      Unglaublich ist das, was Du hier leistest. Solche Strapazen auf sich zu nehmen ist die eine Sache

      Wie schon geschrieben, so Strapazen sind das nicht und ich las es ruhig angehen. Wenn man da so herumradelt hat man Zeit sich Gedanken um alles mögliche zu machen.
      Eben auch was diese Grenze für echte Strapazen und Leid verursacht hat.

      Ich traf Wessies, Ossies und Deutsche.
      Warum ich das so schreibe, für die jungen Leute spielt diese hässliche Narbe durch Deutschland schon so gut wie keine Rolle mehr.
      Die fahren heute mal eben von Kassel nach Leipzig so wie ich früher nach Hannover gefahren bin.

      Die jungen Leute haben mich übrigens alle nur nach dem komischen Fahrrad gefragt :D So ganz verstanden was ich da mache haben sie wohl nicht.

      Und der Baumeister von diesem Scheissding Erich H. wird wohl im Grabe rotiert haben wo der Klassenfeind mit der BW Hose und dem Drahtesel von den Westlichen Imperialisten auf seinem schönen Bauwerk lang geradelt ist :twisted:

      Der Südteil des befahrbaren Kolonnenweges.

      Im Oktober doch deutlich angenehmer wie im August. Auf dem Teil war wie ich schon bei Google gesehen hatte so gut wie kein Schatten.
      Einer von den erwähnten mobilen Wachtürme aus dem Tagebau auf so einer Art Kufen.



      Ich wusste wo der steht, habe aber das letzte mal vergessen ihn zu fotofieren :)

      Startpunkt.
      Diese Schilder stehen an den Strassenübergängen zur Erinnerung an die Deutsche Teilung.
      Eine Öffnung muss man sich allerdings nicht so vorstellen das da nur eine Schranke oder ein Zaun aufgemacht wurde.
      Da waren schon pioniermäßige Wegebaumaßnahmen gefragt weil diese Strassen ja Jahrzehnte unterbrochen waren und nicht genutzt wurden. Da musste schon mal ein Graben zugeschoben werden oder der fehlende Fahrbahnbelag mit diesen Militärlochblechen abgedeckt werden.



      unendliche Weiten



      und auf dem ehemaligen Todesstreifen weiden jetzt Schafe



      Kommandoturm an der B79 Hessendamm



      Reste der Grenzanlagen



      In dem Bereich übrigens die einzigen baulichen Überreste der Grenzbefestigung. Die kleineren BT 9 Türme fehlen in dem gesamten Bereich.

      Etwas für die Mädels



      Kolonnenweg zum Kolonnenweg



      Wenn der Weg nicht regelmässig von der Landwirtschaft genutzt wird, wächst er sofort zu.
      Laufen und mit einem normalen Fahrrad ist da sehr mühsam.



      Auf dem Bild sind auch 3 Rehe mit drauf, aber zu weit weg :D
      Getroffen habe ich dort nur 2 Wanderer die auch den Weg abgelaufen sind. Aber jede Menge Tiere. Ungezählte Rehe und Mäuse.
      Ein Fuchs, einige Feldhamster, Störche und Kraniche und allerhand Piepmätze wo ich nicht weiss was das war.
      Gruss Andreas


      kleine Bilder sind doof :dagegen1:
    • Der Weg ging nach Süden, die Grenze macht da einen Knick und es wird wieder ordentlich Hügelig.



      In diesem Tal verläuft die K91 und wie man auf der anderen Seite sieht, sind da durchgehende Felder.
      Der Kolonnenweg ist ab der Strasse nicht mehr da und ist erst wieder im Harz durchgehend vorhanden.



      Also wieder zurück nach Norden.
      Nee, nicht wieder da rauf, ich habe diesmal etwas gemogelt und bin nach Niedersachsen über flache Feldwege wieder zurück.



      Nach Norden von der B79 war dann wirklich nüscht mehr, gar nüscht...
      Weit und breit kein Mensch, nicht mal die Landwirte mit den riesen Treckern.



      Die Gegend nennt sich der grosse Graben der auch die Grenzlinie war.
      Die Landschaft dort ist durchzogen von vielen kleinen Gräben die in den grossen Graben münden.



      Und da war mal ne Brücke über den grossen Graben weil die Grenze da mal wieder einen Knick macht.



      Brückenrest



      Zum Glück war da noch dieses kleine Wehr, sonst hätte ich einen Weg von fast 4 km bis zur nächsten Brücke gehabt.



      Wie gesehen, gab es verschieden Sorten von den Betonplatten.
      Die hier lagen meist in trockenem ebenen Gelände und waren durch die 3 versetzten Kranösen am unangenehmsten zu fahren.
      Weil eine trifft man garantiert immer.



      Das wars zunächst mal. Danke fürs zuschauen.

      Gruss Andreas


      kleine Bilder sind doof :dagegen1:
    • Da eine Reihe von Beiträgen mit dem B.Man-Thema nicht direkt etwas zu tun haben, wurden diese Wortmeldungen in ein eigenes Thema ausgelagert. Es befindet sich hier: Diskussion zum Thema Das grüne Band - schaut doch mal rein. Es soll als Diskussionsgrundlage dienen.

      So bleibt das Ursprungsthema "Das grüne Band" von unseren nicht direkt damit in Zusammenhang stehenden Anmerkungen unberührt und unverschandelt.
      Geradlinig ist, wer seine Gedanken äussert und diese auch umsetzt.
    • Point India

      Die Amerikaner hatten in ihrem Zuständigkeitsbereich Hessen und Bayern einiger dieser Beobachtungsposten aufgebaut.

      Diese Türme waren relativ weit verteilt und sie waren von der Anzahl und Nutzung keineswegs mit den Türmen der DDR Grenztruppen zu vergleichen. Dieser war nur sporadisch bei Patroullienfahrten besetzt, nicht wie Point Alpha der ständig besetzt war.

      Geteerte Zufahrt von der Kreisstrasse



      Trafohäuschen

      Da sind sich solche Militäranlagen in Ost und West sehr ähnlich, man sieht es fast immer zuerst :D





      Ausblick nach Ifta, Thüringen



      das helle Gebäude links ist die Kaserne der NVA Grenztruppen



      ich weiss, kein dolles Bild :P

      Aber der amerikanische Soldat der sich vor 30 Jahren da oben den Hintern abgefroren hat, hat oft auch nicht mehr und besser gesehen.

      Strategisch waren diese Points nicht besonders wichtig, wichtig war es den Amerikanern, Präsenz zu zeigen.
      Gruss Andreas


      kleine Bilder sind doof :dagegen1:
    • Moin

      Und jetzt kommt ein Abschnitt wo ich das erste Mal echt kein Bock mehr hatte und mich gefragt habe, warum tust du dir das an :/

      Die Strecke war Hedra > Wanfried / B249
      Die tatsächliche Fahrstrecke war etwas anders und auf dem Kolonnenweg waren es tatsächlich nur 8,5 km

      Steigungsprofil, von 170 mtr an der Werra bis rauf auf 450 mtr.



      Flußsperre bei Hedra über die Werra.
      Von der Brücke wurden Gitter herab in die Werra gelassen das Flüchtlinge nicht mit dem Boot oder so durchschwimmen konnten.
      Gab natürlich immer wieder Probleme bei Hochwasser und mit Treibgut.





      Kolonnenweg neben der Werra



      Bergauf, nur Bergauf 8|



      Wieder so ein Folklore Ding ?
      Agentenschleuse mit Zaunresten.

      Gruss Andreas


      kleine Bilder sind doof :dagegen1:
    • Bergauf, nur Bergauf :S :S



      Neben dem bei Point Alpha der einzige BT 9 auf der ganzen Strecke den ich gesehen habe ?(
      BT = Beobachtungsturm



      BT 11 = Kommandoturm



      In dem ist jetzt ein kleines Museum und ich hatte Glück, da waren gerade ein paar Leute auf einer Privat Führung.
      grenzturm.eu



      Steil herunter zur B249. Auf der anderen Seite sieht man wie der Weg weiter nach Norden geht.



      Vor dem Rückweg zum Auto hatte ich echt bammel, ich hatte kein Bock auf nochmal Berg und Talbahn.
      Ich entschied mich über Wendehausen zurück zu fahren.
      Modellbahnstädtchen mit ohne Eisenbahn :D



      Huuuiiihhhh, Fatbikeland :thumbsup1:
      Über Schotter, Betonplatten, Waldwege und Rasen fast nur bergab zurück zum Auto.

      Was ne sause :thumbsup1: :thumbsup1:

      Gruss Andreas


      kleine Bilder sind doof :dagegen1:
    • ... Klasse Doku! Dass man für solch ein Projekt schon ein wenig verrückt sein muss, kann ich bestätigen. Hatte vor vielen Jahren schon mal ins Auge gefasst, eine Radltour entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze zu starten. Knappe 1400 Kilometer schienen machbar. Das Projekt ist dann allerdings erst mal wieder in den Hintergrund gerückt. 2009 habe ich dann mit der Recherche begonnen. Der Plan: Vom Dreiländereck DDR-BRD-CSSR hinauf bis zur Ostsee. Und wieder gingen ein paar Jahre ins Land. 2014 startete dann die erste Etappe. Schnell wurde klar, dass sich die Kilometerzahl letztendlich locker vervierfachen wird, schließlich wollte ich auch im Hinterland so einiges mitnehmen. Auch die Steigungen sind nicht zu unterschätzen: Rennsteig, Rhön, Harz. Da verliert man leicht die Lust, mal wieder zum x-ten Beobachtungsturm auf einen Berg hinaufzuradeln. Wie dem auch sei, bislang habe ich es in drei Etappen bis nach Bad Sooden-Allendorf geschafft. Bei Gelegenheit muss ich mal ein paar Bilder dazu raussuchen ...
    • Moin

      Ja, dieses Jahr war ich faul, ich war zwar öfter da in der Gegend, aber den Kolonnenstreifen habe ich dieses Jahr noch gar nicht abgeradelt.

      Fange ich mal langsam an und habe eine Lücke bei Kella geschlossen die mir noch fehlte.
      Nur ein kurzes Stück, aber das hatte es in sich.

      Da frag ich mich immer warum die Leute aus Kassel in den Bayrischen Wald fahren wenn ich in der Ecke bin



      Da muss ich rauf und aus Kella weht der Duft von Thüringer Rostbratwurst vom Grill herüber
      grrrmpf



      Achterbahn.
      Der Kolonnenweg ist 300 Meter weg vom Zaun.
      Und über 100 Meter tiefer, die eigentliche Grenze verläuft nämlich oben am Bergkamm.



      Kleine Kapelle, lag direkt im Sperrgebiet und war bis zur Wende für die Bürger nicht zugänglich.



      Das war wieder so eine Schlüsselstelle. Wer so was bauen lässt, kann nicht mehr alle Latten am Zaun haben.
      Da mit dem Auto rauf oder runter ist schon bei Nässe sau gefährlich. Geschätzt > 30 % Steigung rauf zur Pfaffschwender Kuppe.



      Da stand der Zaun, links geht es steil den Hang herunter = Thüringen.



      Alte Grenzsäule



      Wieder mal Umleitung



      Ab da ist der Weg ausgeschildert aber eigentlich nur noch ein Pfad



      Alter Grenzstein und Grenzsäule.



      Zwischen der K113 und der L2030 ist der Kolonnenweg tatsächlich komplett entfernt, ich habe extra von Kella aus noch mal nachgeschaut.
      Da kommt man höchstens zu Fuss mit der Machete durch



      Mir fehlte da nur 4,2 km reiner Grenzverlauf, aber die hatten es sich wirklich in sich.
      Gruss Andreas


      kleine Bilder sind doof :dagegen1:
    • Wieder einmal grosse klasse, was Du so nachlegst. Diese Strapazen könnt ich mir nimmer antun...

      Unserem Forum würde vieles fehlen, wenn Deine Beiträge nicht wären. Deshalb mein ganz besonderer Dank für all Deine Mühen - immer und immer wieder.
      Geradlinig ist, wer seine Gedanken äussert und diese auch umsetzt.
    • Als Ergänzung zu den Berichten von B.Man gibt´s hier nun den ersten Teil meiner Eindrücke von unserer Radltour in mehreren Etappen entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

      September 2014 – Die Reise mit dem Fahrrad beginnt mit einer Zugfahrt ins bayerische Hof. Im Gepäck eine Karte der ehemaligen innerdeutschen Grenze und eine Liste mit Erinnerungsorten und Relikten der deutschen Teilung. Einen genaueren Plan gibt es nicht, alles weitere entsteht aus der Bewegung. Eine Woche Zeit steht zur Verfügung. Mal sehen, wie weit wir so kommen. Unser Zug jedenfalls hat erstmal ordentlich Verspätung. In den 1980er Jahren konnten die Abteilsitze in den Transitzügen wenigstens noch zu Liegeflächen zusammengeschoben werden:


      Noch ist das Wetter einigermaßen mies. Vom Grenzbahnhof in Hof fuhren einst die Interzonen- und Transitzüge nach West-Berlin. 1989 trafen hier die Sonderzüge der DDR-Reichsbahn mit den DDR-Flüchtlingen aus der Prager Botschaft im Westen ein. Die Metallplastik auf dem Bahnhofsvorplatz soll an die Grenzöffnung erinnern und einen sich in Bewegung befindlichen Menschen symbolisieren (wenn man´s weiß):


      Das Dreiländereck CSSR / DDR / BRD. In einer unscheinbaren Senke im Wald liegt ein historisches Dreiländereck. 1844 wurden hier die Grenzen der drei Königreiche Österreich / Sachsen / Bayern festgelegt. Heute ist dies die Grenze zwischen Tschechien / Sachsen / Bayern:


      Das „S“ aus tschechoslowakischen Tagen hat man einfach überpinselt:


      Auf böhmischer Seite lag einst die Hofmannsmühle mit einem beliebten Ausflugslokal. Hier verkehrten Zollbeamte, Schmuggler und Wanderer gleichermaßen. Ab 1946 wurde das Gasthaus und der nahe gelegene Weiler Kaiserhammer zur besseren Grenzsicherung abgerissen. Heute existieren hiervon nur noch die Kellerräume der Mühle mit einem eingemauerten Mühlstein neben dem Eingang:


      Auf bayerischer Seite findet man ein Grab eines unbekannten deutschen Soldaten aus dem Juli 1945, das leider schon mehrfach geschändet wurde:


      Etwas planlos radeln wir durch die Prärie. Wo verlief eigentlich genau die Grenze? Nur ein einsamer Beobachtungsturm (BT-6) aus Betonfertigteilen ragt noch aus der Landschaft. In einer solchen Führungsstelle liefen einst die Alarme eines Grenzabschnitts auf und weitere Maßnahmen wurden von hier aus eingeleitet und koordiniert. Die Antennen auf dem Dach machen zwar zunächst ein wenig stutzig, doch der Turm wird heute von Amateurfunkern aus Plauen genutzt:


      Endlich stoßen wir auf den Kolonnenweg. Hier sind wir richtig. Auf dem Hügel im Hintergrund sollte nach meinen Recherchen eigentlich ein weiterer Beobachtungsturm (BT-9) stehen. Ich schlage mich also mühsam durch das Unterholz, kann aber nichts davon entdecken. Naja, im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass ich im falschen Wäldchen gesucht habe. So ist das eben,wenn man nur mit vagen Informationen und ohne elektronischen Schnickschnack durch die Lande zieht:


      Parallel zum Kolonnenweg ziehen sich fast unauffällig die verwachsenen Reste eines Kfz-Sperrgrabens entlang. Solche Kfz-Sperrgräben mit einseitig angebrachten Betonelementen sollten die Flucht mit einem Fahrzeug verhindern:


      Der nächste Beobachtungsturm (wieder eine Führungsstelle) ist ziemlich ramponiert, dafür aber zugänglich. Schade nur, dass die Leitern zu den oberen Etagen fehlen (nein, wir hatten keine dabei und waren trotzdem kurz oben):


      Direkt daneben befindet sich ein gedeckter Kfz-Stellplatz für die Einsatzfahrzeuge der Alarmgruppe:
    • Tödlicher Zwischenfall an der Grenze



      Nein, hier handelt es sich nicht um irgendein x-beliebiges Feld an der innerdeutschen Grenze. Dies ist der Ort, an dem am 14. August 1962 der Hauptmann der DDR-Grenztruppen Rudi Arnstadt von einem westdeutschen BGS-Beamten erschossen wurde. Fast 36 Jahre später, am 15. März 1998, wurde auch der damalige Todesschütze Hans Plüschke etwa zehn Kilometer entfernt ermordet aufgefunden. Es handelt sich hier um einen der mysteriösesten Mordfälle Deutschlands.



      Die genauen Hintergründe des bewaffneten Grenzkonfliktes vom 14. August 1962 konnten nie zweifelsfrei geklärt werden. Die vollständige Ermittlungsakte der DDR-Behörden zum „Fall Arnstadt“ ist bis heute verschollen. Für die Westdeutschen war es schlichte Notwehr, für die Ostdeutschen gezielter Mord. Die DDR-Propaganda erhob Arnstadt zum Märtyrer, schließlich war er einer von nur zwei Grenzsoldaten, die nachweislich von westdeutschen Beamten erschossen wurden (der andere war Peter Göring in Berlin). Auf dem ganz in der Nähe angelegten Ehrenhain sind auch heute zeitweise noch frische Blumen zu finden.



      Lange nach der Wiedervereinigung, am 15. März 1998, wurde auch der ehemalige BGS-Beamte und Todesschütze Hans Plüschke mit einer ähnlichen Schussverletzung getötet. Man fand keinerlei Indizien, die auf den oder die Täter hinwiesen und so ist der Mörder bis heute nicht gefasst. Ein Raubmord kann wohl ausgeschlossen werden. Verschwörungstheoretiker sehen hier einen Racheakt von alten Stasi-Seilschaften. Frühere Stasi-Akteure kontern, der Westen habe einen unbequemen Zeugen verschwinden lassen wollen.



      Wer mehr über den „Fall Arnstadt“ wissen möchte, dem sei das Buch „Der zweifache Tod im Schatten der Grenze“ von Herbert Böckel empfohlen.