Ehemaliges Untersuchungsgefängnis der Volkspolizei

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    • Ehemaliges Untersuchungsgefängnis der Volkspolizei

      Im Rahmen einer Führung war ich dín dem ehemaligen Untersuchungsgefängnis der VoPo in der Keibelstraße in Berlin Mitte.
      In dem Gebäude ist mittlerweile die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie untergebracht und zu dem Gefängnistrakt kommt man, indem man durch einen normalen Gang geht. Das einzige, was etwas merkwürdig erscheint ist, dass der Flur gefliest ist und ein wenig an ein Krankenhaus erinnert. Ansonsten geht man durch eine normale Tür und steht plötzlich mitten im Lichthof des ehemaligen Gefängnisses.


      (Auszug aus der Website)
      Das Gebäude zwischen der Keibelstraße, der heutigen Bernhard-Weiß-Straße 6 (früher: Neue Königstraße bzw. Hans-Beimler-Straße) und der Wadzeckstraße wurde 1929 als Hauptverwaltungsgebäude des Warenhauskonzerns Karstadt gebaut. Nachdem sich der Konzern 1931 in einer finanziellen Krise befand und die Dimensionen des Gebäudes viel zu groß für seine Bedürfnisse waren, verkaufte er 1934 das Gebäude an das Reichsfinanzministerium. Etwas später zog das Statistische Reichsamt in die Büros. Von nun an hieß es unter der Herrschaft der Nationalsozialist*innen “Reichshaus”.
      Das Statistische Reichsamt erstellte hier bis 1945 Volkszählungen. So wurden zum Beispiel die Zahlen der jüdischen Bevölkerung erhoben, aber auch, wie viele Männer im Deutschen Reich für den Kriegsdienst tauglich waren oder wie viele Menschen für die Arbeit in der Kriegsindustrie benötigt wurden.
      Im Statistischen Reichsamt arbeiteten etwa 5.000 Personen, davon rund 200 Wissenschaftler*innen. Mit ihrer akribischen Arbeit lieferten sie die bürokratische Voraussetzung für die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung.
      1944 wurde das Gebäude durch Bombenangriffe stark beschädigt, doch das Statistische Reichsamt arbeitete noch bis zum Ende des Krieges am 8. Mai 1945 weiter.

      Im Oktober 1951 wurde im Gebäude des Präsidiums der Volkspolizei das Untersuchungsgefängnis eröffnet. Abgekürzt hieß die Haftanstalt UHA Berlin-Mitte und wurde später in UHA II umbenannt. Unter dem Namen Keibelstraße war sie auch in der Bevölkerung der DDR bekannt und gefürchtet. Sie war die einzige UHA in Ost-Berlin, in der auch Frauen inhaftiert wurden. Im Präsidium und in der UHA waren auch offizielle und inoffizielle Mitarbeiter*innen des Ministeriums für Staatssicherheit tätig. Die Untersuchungshäftlinge warteten hier auf ihren Gerichtsprozess und wurden für Verhöre unter anderem in das Polizeipräsidium geholt.

      Die Vergehen, die den Gefangenen vorgehalten wurden, umfassten alle in der DDR für kriminell gehaltenen Bereiche. Viele Inhaftierte waren nach dem DDR-Strafrecht als “Asoziale” oder wegen “Rowdytum” und “Republikflucht” angeklagt. Andere weil sie ihren Dienst in der Nationalen Volksarmee nicht antraten. Die meisten Gefangenen saßen wegen Eigentumsdelikten wie Diebstahl oder Betrug ein, seltener wegen Schwerverbrechen. Personen ohne Aufenthaltsgenehmigung kamen bis zu ihrer Abschiebung in den “Ausländergewahrsam” in der UHA Keibelstraße. Außerdem wurden hier Menschen festgehalten, die nach West-Berlin “ausgeschleust” werden sollten. Ende der 1970er-Jahre verfügte die UHA Keibelstraße über 209 Haftplätze, tatsächlich war die Anzahl der Inhaftierten aber meist deutlich höher.


      Das Gefängnis war von 1951 bis 1990 in Betrieb und diente danach teilweise als Filmkulisse (Männerpension, Das Leben der Anderen, Musikvideos) und die dadurch modernisierten Zellen von 1992 bis 1996 als Polizei- und Abschiebegewahrsam.

      Bei unserer Führung war ein ehemaliger Häftling dabei, der dem Besuch Authenizität verlieh und einem die damaligen Verhältnisse und Demütigungen aus erster Hand schilderte und dem Besuch dadurch eine ganz andere Beklemmung verlieh.


      Unter keibelstrasse.de/ kann man sich für die Termine der öffentlichen Führungen anmelden.
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